Tunnelbau
Schachterneuerung Rodundwerk I
Vandans, Ăsterreich / 03.2020 - 11.2023
Die Illwerke vkw AG erneuert in den Jahren 2020 bis 2023 den in den 1940er Jahren errichteten Kraftabstieg des bestehenden Rodundwerk I.
Facts & Figures
Unternehmen
G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft m.b.H.
Projektart
Untertagebau, Kraftwerksbau & Anlagenbau
Bauzeit
03.2020 - 11.2023
Neue Herausforderungen im Tunnelbau.
Der im April 2020 an Hinteregger erteilte Auftrag beinhaltet den Neubau des gesamten Druckschachtes ab dem Einlaufbauwerk in Latschau sowie die daran anschlieĂende Verteilerrohrleitung und deren Einbindung in das bestehende Krafthaus in Rodund. Nach Abschluss der Arbeiten soll der derzeit bestehende Kraftabstieg stillgelegt werden.
Im Zuge der Bauabwicklung werden der rund 340 m lange Zugangsstollen Latschau sowie ein 330 m langer Teil des Wasserweges konventionell â das heiĂt im Sprengvortrieb â vorgetrieben. Alle anderen Stollen mit einer GesamtlĂ€nge von rund 700 m (Zugangsstollen Rodund, Druckschacht Flachstrecke und SchrĂ€gschacht mit 36° Neigung) werden mit einer Hartgesteinstunnelbohrmaschine, kurz TBM, aufgefahren. Diese hauseigene TBM mit einem Ausbruchdurchmesser von 4,50 m wird sowohl in den Flachstrecken als auch im SchrĂ€gschacht â hier mit zusĂ€tzlicher RĂŒckfallsicherung â eingesetzt.
Der prestigetrĂ€chtige Auftrag bedeutet die Fortsetzung einer sehr langen Tradition bei Hinteregger und stellt fĂŒr alle Beteiligten ein in verschiedener Hinsicht Ă€uĂerst herausforderndes Projekt dar.
Durchschlagend erfolgreich.
Am 4. Mai 2021, exakt ein Jahr nach dem Baustart, erfolgte der Durchschlag der Tunnelbohrmaschine Serafina in den bereits fertiggestellten Schachtkopfbereich. Die Mineure und die beteiligten Projektmitglieder feierten diesen wesentlichen Projektmeilenstein unter strengsten Auflagen im Beisein des Vorstandes der Illwerke vkw AG.
Die Tunnelbohrmaschine wurde nach Fertigstellung der zwei flachen FrĂ€sstrecken fĂŒr die SchrĂ€gfahrt umgerĂŒstet und hat nun auch 435 m im SchrĂ€gschacht mit einer Neigung von 36° erfolgreich aufgefahren. Dabei erreichte sie beachtliche Spitzenleistungen von ĂŒber 18 m pro Tag.
Auf halber Strecke stellten weitrĂ€umige MehrausbrĂŒche â und mit diesen einhergehend blockiges Ausbruchmaterial â unser Team, die Maschine und die Einrichtungen unter Tage vor groĂe Herausforderungen. Dank ausgezeichneter Zusammenarbeit mit unserer Auftraggeberin konnten wir aber alle Probleme zur allgemeinen Zufriedenheit meistern. Exakt ein Jahr nach Baubeginn ist mit dem Durchschlag ein wichtiger Meilenstein im Projekt erreicht worden. Insgesamt konnten wir in diesem Zeitraum mehr als 1.300 m Vortrieb ausfĂŒhren.
Innovativ und sicher.
Eine wesentliche Innovation im Projekt Schachterneuerung Rodundwerk I stellt eine fliegende Anfahrtskonstruktion dar. Diese wurde in Zusammenarbeit unserer Projektleitung vor Ort mit dem technischen Innendienst des Tunnelbaus in Salzburg, der Maschinentechnischen Abteilung in Anthering und der Abteilung Stahlbau der PORR in Wien entwickelt.
Mit Hilfe dieser Anfahrtskonstruktion war es uns möglich, ohne Verwendung der Gripperverspannung â und somit ohne vorheriger Errichtung einer Startröhre im Berg â beide horizontalen Vortriebe vom jeweiligen Voreinschnitt aus zu starten. Auch die Anfahrt in der SchrĂ€ge konnte mit diesem erstmalig eingesetzten System erfolgreich absolviert werden. Unsere Auftraggeberin war von dieser Technik fasziniert und veröffentlichte ein sehr eindrĂŒckliches Zeitraffervideo vom Anfahrvorgang (Siehe Unten).
Um die Sicherheit aller auf der TBM und im SchachtfuĂbereich eingesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter â der eigenen ebenso wie jeder der Auftraggeberin â bestmöglich zu gewĂ€hrleisten, kam zusĂ€tzlich zur geforderten RĂŒckfallsicherung ein zweites Sicherungselement zum Einsatz: die gemeinsam mit der Firma ROWA konzipierte Y-Verspannung.
Die nÀchsten Schritte.
Nach dem RĂŒckzug der TBM wird diese im Bereich der SchachtfuĂkaverne demontiert und abtransportiert. Danach erfolgen umfangreiche Injektionsarbeiten im SchrĂ€gschacht sowie die Betonarbeiten an den Verteilrohrleitungen. DurchgefĂŒhrt werden diese von der PORR Niederlassung Tirol.
Nach den Panzerungs- und Betonarbeiten im SchrĂ€gschacht wird Anfang 2023 die Gesamtanlage des Rodundwerk I heruntergefahren, um die Restarbeiten (Einlaufbauwerk, Durchschlag in Speicher Latschau und Betonarbeiten in den vorgenannten Bereichen) ausfĂŒhren zu können. Bis Ende 2023 sind die Fertigstellung und die Wiederinbetriebnahme des Rodundwerk I geplant.
GlĂŒck Auf!
Die langjĂ€hrige Hartgesteins-TBM-Tradition bei Hinteregger ist somit um ein Kapitel reicher. Unser besonderer Dank gilt der gesamten Baustellenmannschaft fĂŒr die hervorragende Leistung und das Durchhaltevermögen unter den schwierigen Bedingungen. Wir wĂŒnschen den Kolleginnen und Kollegen weiterhin erfolgreiche und vor allem unfallfreie Arbeiten.
Mehr zum Kraftabstieg fĂŒr das Rodundwerk 1.